62 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem gesamten Verbandsgebiet kamen am 21. und 22. November zur Obermeistertagung 2025 von Tischler Nord im Hotel Park Soltau zusammen.
Landesinnungsmeister Andree Zoppke eröffnete die Veranstaltung mit einer klaren Botschaft: Es bewegt sich etwas im Handwerk. Neue gesetzliche Rahmenbedingungen wie die überarbeitete Bauordnung und die Verschiebung der EUDR bringen Erleichterungen – und gleichzeitig rückt das Schwerpunktthema 2026 bereits in den Fokus: Betriebsnachfolge und die Stärkung der Verbindung zwischen Generationen.
Ein zentrales Thema des ersten Tages war die Frage, warum Meisterinnen und Meister heute seltener den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Katrin Rasch (FBH, Universität Köln) stellte Forschungsergebnisse vor, die zeigen, dass nur ein kleiner Teil der Meisterabsolventen später Betriebe übernimmt. Sie plädierte für neue Karrierewege, bessere Begleitung, stärkere Positionierung des Meistertitels und innovative Modelle wie geteilte Selbstständigkeit. Passend dazu präsentierte Claudia Krause (Tischler Nord) ein Kommunikationskonzept, das junge Meister und Meisterinnen enger an Verband und Innungen binden soll – mit Mentoring, Betriebsbesichtigungen, Matching-Formaten und zielgerichteter Online-Kommunikation.
In mehreren Best-Practice-Beiträgen wurde Handwerksinnovation greifbar:
Yannick Wolfgardt zeigte die Entwicklung regional produzierter Denkmalschutzfenster der Fecon-Gruppe, die nachhaltige Holzverarbeitung mit traditionellen Bauformen verbindet und Bastian Arndt demonstrierte die Potenziale des 3D-Drucks im Tischlerhandwerk – von Kleinserien über individuelle Bauteile bis zu nachhaltigen Druckmaterialien.
Wie sich Kommunikation und Nachwuchsgewinnung verändern, erläuterte Kim Koch (kommissarische Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Stade). Jugendliche googeln kaum noch – sie fragen KI-Systeme wie ChatGPT. Deshalb müssen Inhalte digital auffindbar, strukturiert und KI-geeignet sein. Ihr Maßnahmenkatalog reichte von Website-Optimierung und Social Media bis zu VR-Angeboten und Schulkooperationen. Charlie Saalbach (Netzcocktail) unterstrich anschließend die Bedeutung digitaler Sichtbarkeit: Ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil, aktuelle Bilder und eine klar strukturierte Website seien heute unverzichtbar.
Am zweiten Tag stellte Dr. Johann Quatmann (Hauptgeschäftsführer des Fachverbands Tischlerhandwerk NRW) die neue Struktur der Verbands-Webseiten vor. Künftig sollen unterschiedliche Zielgruppen über getrennte Portale angesprochen werden – von Azubis über Mitgliedsbetriebe bis zur Öffentlichkeit. Die bisherigen NRW-Webseiten werden bis Ende 2026 abgeschaltet; Verbände und Innungen müssen zeitnah über einen Umstieg entscheiden.
Im anschließenden Verbandsteil gab es Einblicke in laufende Projekte: den monatlichen „Digi Schnack“, Aktivitäten der Tischler Junioren, die Übergabe der Ausbildungsordner, das Ergonomieprojekt von Christian Poggensee sowie neue Kooperationen und Schulungskonzepte wie „MsM“ zur Verbesserung der Maschinensicherheit. Zudem wurde um mehr Teilnahme und frühzeitige Meldungen zur „Guten Form“ geworben.
Die Mitgliederversammlung begann anschließend der Benennung des Sprechers der Einzelmitglieder sowie mit der Begrüßung. Weiterhin wurden Beschlüsse zur Imagekampagne, Social-Media-Förderung und neuen Homepage gefasst. Zum Abschluss stellte Michael Wigger das Social-Media-Pilotprojekts der Innung Grafschaft Bentheim vor, das sich primär an die junge Zielgruppe richtet und mit Witz und Spaß Interesse für das Tischlerhandwerk wecken soll. Mit einem gemeinsamen Mittagessen endete eine Tagung, die deutlich machte:
Das Tischlerhandwerk stellt die Weichen für Zukunft, Sichtbarkeit und Nachwuchs – engagiert, digital und vernetzt.




